Exzellenz und Gender
Zur Rolle der Hochschulkommunikation bei der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen
DOI:
https://doi.org/10.21241/Keywords:
Exzellenz, Gleichstellung, Hochschulkommunikation, Postdocs, Wissenschaftskommunikation, Akademische KarrierenAbstract
Der Hochschulkommunikation kommt eine entscheidende Rolle im Prozess der Sichtbarmachung von Wissenschaft und ihrer Akteur*innen in der medialen Öffentlichkeit zu. In dieser Funktion können Hochschulkommunikator*innen zur (De)Konstruktion einer vergeschlechtlichten Wissenschaftslandschaft beitragen, Rollenvorbilder etablieren und Sozialisationsprozesse innerhalb und außerhalb des wissenschaftlichen Kontexts mit beeinflussen.
Im BMFTR-Forschungs- und Praxisprojekt „Exzellenz entdecken und kommunizieren. Sensibilisierung und Kompetenzentwicklung zum Thema Exzellenz und Gender für PostDocs und Akteur*innen der Hochschulkommunikation (EXENKO)“ untersuchten wir von November 2021 bis Dezember 2024 in einem Gemeinschaftsprojekt am Institut für Soziologie und am Essener Kolleg für Geschlechterforschung der Universität Duisburg-Essen, inwieweit Hochschulkommunikation zu einer inklusiveren und vorurteilsfreien Darstellung von Wissenschaftlerinnen in der Öffentlichkeit beitragen kann. Ausgangspunkt war eine kritische Reflexion des Verständnisses von wissenschaftlicher Leistung und „Exzellenz“. Denn obwohl die gängigen Kriterien für wissenschaftliche Exzellenz nicht unumstritten sind, orientieren sich auch Verantwortliche der hochschulischen Öffentlichkeitsarbeit an diesen, wenn es darum geht, welche Forschenden mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit oder bei außeruniversitären Interessengruppen präsentiert werden. Der Verweis auf Exzellenzkriterien dient zudem häufig als legitimierender Diskurs, um die Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen in der Forschung zu erklären (O’Connor und Barnard 2021; Altenstädter et al. 2025). Vor diesem Hintergrund untersuchten wir auch, welches Verständnis von Leistung und Exzellenz Wissenschaftler*innen in der Postdoc-Phase haben und wie ein diesbezüglich kritisches Verständnis gemeinsam mit einer kritischen Haltung gegenüber geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Dynamiken entwickelt werden kann. Im Jahr 2022 haben wir im Rahmen des Projekts 52 leitfadengestützte problemzentrierte Interviews mit Akteur*innen der Hochschulkommunikation, Wissenschaftler*innen und Vertreterinnen des Gender & Diversity-Bereichs durchgeführt und rekonstruktiv auf Grundlage des Integrativen Basisverfahrens (Kruse 2014) ausgewertet. Das Poster präsentiert ausgewählte Ergebnisse aus der Analyse dieser Interviews. Der Fokus liegt dabei auf der Rolle von Hochschulkommunikator*innen im Prozess der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen und ihrer Leistungen. Adressiert werden insbesondere folgende Fragestellungen: Inwieweit betrachten Hochschulkommunikator*innen es als ihre Aufgabe, geschlechtergerecht zu kommunizieren und Forscherinnen zu fördern? Wie reflektieren sie das Konzept der wissenschaftlichen Exzellenz? Wie können sie zu einer besseren Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen beitragen?
Ein zentrales Ergebnis ist, dass Hochschulkommunikator*innen dazu tendieren, ihren Einfluss auf die Gleichstellung in der Wissenschaft zu relativieren (Wegrzyn und Mallat 2025; Altenstädter et al. 2024). Auch wenn sie den konventionellen, vorrangig an quantitativen Kriterien orientierten Exzellenzbegriff problematisieren, nehmen sie ihn dennoch als Bezugspunkt für ihre berufliche Tätigkeit. Mit Verweis auf journalistische, wissenschaftsexterne Kriterien, die erfüllt werden müssen, erscheint es ihnen oft schwierig, eine für die Leistung von Wissenschaftlerinnen ansprechende – gegebenenfalls neue – Rahmenerzählung für die Darstellung der Leistungen von Wissenschaftlerinnen zu finden (Wegrzyn und Mallat 2024). Es ist daher wichtig, Hochschulkommunikator*innen weiter für die Gleichstellungsbemühungen in der Wissenschaft zu sensibilisieren und sie aktiv in den Gleichstellungsprozess einzubinden. Dies kann beispielsweise durch einen regelmäßigen und institutionalisierten Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Akteur*innen aus dem Bereich der Gleichstellung erfolgen.
References
Altenstädter, Lara, Maren A. Jochimsen, Ute Klammer und Eva Wegrzyn. 2025. Exzellenz! Aber welche? Denkanstöße zum Verhältnis von Exzellenz, Gleichstellung, Sichtbarkeit – und guter Wissenschaft. In Diskriminierungskritik und Diversity Management an der Universität. UNIKATE 62:8–11.
Altenstädter, Lara, und Eva Wegrzyn. 2024. Invisibility of Female Scientists in the German Media. International Multidisciplinary Research Journal. Papers of the 4th Canadian International Conference on Gender & Women’s Studies. https://imrjournal.info/wp-content/uploads/2024/09/CGWS2024Proceeding.pdf (Zugegriffen: 07. Aug. 2026).
Kruse, Jan. 2014. Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz. Weinheim: Beltz Juventa.
O’Connor, Pat, und Sarah Barnard. 2021. Problematisierung von Exzellenz als Legitimationsdiskurs. In: Gender, Power and Higher Education in a Globalised World, Hrsg. Pat O’Connor und Kate White, 47–69. Cham: Palgrave Macmillan.
Wegrzyn, Eva, und Anja Mallat. 2024. Exzellenzkriterien aus einer Geschlechtergleichstellungsperspektive weiterdenken: Potenziale der Neujustierung von Leistungsbewertung in der Wissenschaft. Beiträge zur Hochschulforschung 46:56–76.
Wegrzyn, Eva, und Anja Mallat. 2025. Eine gute Geschichte? Zur Rolle der Hochschulkommunikation bei der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen. GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 17:87–103.
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