Exzellenz und Gender

Zur Rolle der Hochschulkommunikation bei der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen

Autor/innen

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  • Maren A. Jochimsen Essener Kolleg für Geschlechterforschung
  • Ute Klammer Universität Duisburg-Essen image/svg+xml
  • Eva Wegrzyn Hochschule Düsseldorf image/svg+xml

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Exzellenz, Gleichstellung, Hochschulkommunikation, Postdocs, Wissenschaftskommunikation, Akademische Karrieren

Abstract

Der Hochschulkommunikation kommt eine entscheidende Rolle im Prozess der Sichtbarmachung von Wissenschaft und ihrer Akteur*innen in der medialen Öffentlichkeit zu. In dieser Funktion können Hochschulkommunikator*innen zur (De)Konstruktion einer vergeschlechtlichten Wissenschaftslandschaft beitragen, Rollenvorbilder etablieren und Sozialisationsprozesse innerhalb und außerhalb des wissenschaftlichen Kontexts mit beeinflussen.

Im BMFTR-Forschungs- und Praxisprojekt „Exzellenz entdecken und kommunizieren. Sensibilisierung und Kompetenzentwicklung zum Thema Exzellenz und Gender für PostDocs und Akteur*innen der Hochschulkommunikation (EXENKO)“ untersuchten wir von November 2021 bis Dezember 2024 in einem Gemeinschaftsprojekt am Institut für Soziologie und am Essener Kolleg für Geschlechterforschung der Universität Duisburg-Essen, inwieweit Hochschulkommunikation zu einer inklusiveren und vorurteilsfreien Darstellung von Wissenschaftlerinnen in der Öffentlichkeit beitragen kann. Ausgangspunkt war eine kritische Reflexion des Verständnisses von wissenschaftlicher Leistung und „Exzellenz“. Denn obwohl die gängigen Kriterien für wissenschaftliche Exzellenz nicht unumstritten sind, orientieren sich auch Verantwortliche der hochschulischen Öffentlichkeitsarbeit an diesen, wenn es darum geht, welche Forschenden mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit oder bei außeruniversitären Interessengruppen präsentiert werden. Der Verweis auf Exzellenzkriterien dient zudem häufig als legitimierender Diskurs, um die Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen in der Forschung zu erklären (O’Connor und Barnard 2021; Altenstädter et al. 2025). Vor diesem Hintergrund untersuchten wir auch, welches Verständnis von Leistung und Exzellenz Wissenschaftler*innen in der Postdoc-Phase haben und wie ein diesbezüglich kritisches Verständnis gemeinsam mit einer kritischen Haltung gegenüber geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Dynamiken entwickelt werden kann. Im Jahr 2022 haben wir im Rahmen des Projekts 52 leitfadengestützte problemzentrierte Interviews mit Akteur*innen der Hochschulkommunikation, Wissenschaftler*innen und Vertreterinnen des Gender & Diversity-Bereichs durchgeführt und rekonstruktiv auf Grundlage des Integrativen Basisverfahrens (Kruse 2014) ausgewertet. Das Poster präsentiert ausgewählte Ergebnisse aus der Analyse dieser Interviews. Der Fokus liegt dabei auf der Rolle von Hochschulkommunikator*innen im Prozess der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen und ihrer Leistungen. Adressiert werden insbesondere folgende Fragestellungen: Inwieweit betrachten Hochschulkommunikator*innen es als ihre Aufgabe, geschlechtergerecht zu kommunizieren und Forscherinnen zu fördern? Wie reflektieren sie das Konzept der wissenschaftlichen Exzellenz? Wie können sie zu einer besseren Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen beitragen?

Ein zentrales Ergebnis ist, dass Hochschulkommunikator*innen dazu tendieren, ihren Einfluss auf die Gleichstellung in der Wissenschaft zu relativieren (Wegrzyn und Mallat 2025; Altenstädter et al. 2024). Auch wenn sie den konventionellen, vorrangig an quantitativen Kriterien orientierten Exzellenzbegriff problematisieren, nehmen sie ihn dennoch als Bezugspunkt für ihre berufliche Tätigkeit. Mit Verweis auf journalistische, wissenschaftsexterne Kriterien, die erfüllt werden müssen, erscheint es ihnen oft schwierig, eine für die Leistung von Wissenschaftlerinnen ansprechende – gegebenenfalls neue – Rahmenerzählung für die Darstellung der Leistungen von Wissenschaftlerinnen zu finden (Wegrzyn und Mallat 2024). Es ist daher wichtig, Hochschulkommunikator*innen weiter für die Gleichstellungsbemühungen in der Wissenschaft zu sensibilisieren und sie aktiv in den Gleichstellungsprozess einzubinden. Dies kann beispielsweise durch einen regelmäßigen und institutionalisierten Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Akteur*innen aus dem Bereich der Gleichstellung erfolgen.

Author Biographies

  • Lara Altenstädter, Universität Duisburg-Essen

    Lara Altenstädter studierte Soziale Arbeit an der FH Münster und der Universität Duisburg-Essen. Nach einer Tätigkeit an der Professur für Soziale Arbeit und Sozialpolitik wechselte sie an das  Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen, wo sie zum beruflichen Habitus von Juniorprofessor*innen promovierte. Von 2015 bis 2024 arbeitete sie in zwei Projekten: eines zu  gleichstellungspolitischen Regelungen und deren Bedeutung im professoralen Alltag und im BMFTR-Projekt „EXENKO“, in dem Exzellenzkriterien und Kommunikationsprozesse zwischen Wissenschaft und Medien im Untersuchungsfokus standen. Als Postdoc arbeitet sie seit 2025 am Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) im Schwerpunktbereich „Transfer“ und "Vernetzung" und verantwortet Austauschformate zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis.

  • Maren A. Jochimsen, Essener Kolleg für Geschlechterforschung

    Maren A. Jochimsen ist Geschäftsführerin des Essener Kollegs für Geschlechterforschung (EKfG). Nach ihrer Promotion in ökologischer Ökonomie an der Universität St. Gallen (CH) arbeitete die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin zunächst als wissenschaftliche Assistentin in der Kulturwissenschaftlichen Abteilung der Universität St. Gallen und verbrachte mehrere Jahre
    als Gastforscherin am Judge Institute for Management Studies der University of Cambridge (GB), der Harvard University (USA) und der Universiteit van Amsterdam (NL). Vor ihrem Wechsel an die Universität Duisburg-Essen war Maren A. Jochimsen Generalsekretärin der European Platform of Women Scientists EPWS in Brüssel. Ihre Arbeitsschwerpunkte umfassen die inter-
    disziplinäre Vernetzung intersektionale Geschlechterforschung sowie die Integration der Geschlechterdimension in Wissenschaft und Forschung auf nationaler und europäischer Ebene.

  • Ute Klammer, Universität Duisburg-Essen

    Ute Klammer studierte im Erststudium Germanistik, Philosophie, Pädagogik sowie im Zweitstudium Wirtschaftswissenschaften an der Universität zu Köln und promovierte 1995 in Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main. Ab 1991 war Klammer wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Frankfurt und Mannheim, bevor sie 1996 Referatsleiterin für Sozialpolitik am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung wurde. 2004 übernahm sie eine Professur an der Hochschule Niederrhein, 2007 wurde sie an die Universität Duisburg-Essen berufen. Ute Klammer ist Professorin an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften und seit 2016 Geschäftsführende Direktorin des
    Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ). Seit Mai 2021 ist sie zudem Direktorin des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS), einer durch das Bundesarbeitsministerium geförderten gemeinsamen wissenschaftlichen Einrichtung der Universitäten Duisburg-Essen und Bremen. Von 2008 bis 2015 war Ute Klammer an der UDE Prorektorin mit Zuständigkeit für Diversity Management und Internationales. Ihre Forschungs- und Publikationsschwerpunkte liegen in den Bereichen der europäischen und international vergleichenden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (insbesondere Familienpolitik, Alterssicherung, Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit), der Gender-, Migrations- und Hochschulforschung. Ute
    Klammer war unter anderem Vorsitzende der Sachverständigenkommission für den Ersten Gleichstellungsbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung sowie Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

  • Eva Wegrzyn, Hochschule Düsseldorf

    Eva Wegrzyn studierte Amerikanistik, Sozialpsychologie/-anthropologie, Gender Studies und Politikwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und an der Università degli Studi di Urbino. Von 2007 bis 2015 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung der Universität Duisburg-Essen. Von 2015 bis 2024 war sie als Forschende im Bereich der gleichstellungsbezogenen Hochschulforschung und Gesundheitskompetenzforschung am Institut für Soziologie und am Essener Kolleg für Geschlechterforschung tätig. Darüber hinaus hat sie Weiterbildungsworkshops und Seminare zur Integration einer intersektionalen Geschlechterperspektive in Forschungsinhalte der biomedizinischen Forschung und Gender Medizin entwickelt und durchgeführt. Sie ist jetzt als Referentin im Gender Diversity Action Team der Hochschule Düsseldorf tätig.

References

Altenstädter, Lara, Maren A. Jochimsen, Ute Klammer und Eva Wegrzyn. 2025. Exzellenz! Aber welche? Denkanstöße zum Verhältnis von Exzellenz, Gleichstellung, Sichtbarkeit – und guter Wissenschaft. In Diskriminierungskritik und Diversity Management an der Universität. UNIKATE 62:8–11.

Altenstädter, Lara, und Eva Wegrzyn. 2024. Invisibility of Female Scientists in the German Media. International Multidisciplinary Research Journal. Papers of the 4th Canadian International Conference on Gender & Women’s Studies. https://imrjournal.info/wp-content/uploads/2024/09/CGWS2024Proceeding.pdf (Zugegriffen: 07. Aug. 2026).

Kruse, Jan. 2014. Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz. Weinheim: Beltz Juventa.

O’Connor, Pat, und Sarah Barnard. 2021. Problematisierung von Exzellenz als Legitimationsdiskurs. In: Gender, Power and Higher Education in a Globalised World, Hrsg. Pat O’Connor und Kate White, 47–69. Cham: Palgrave Macmillan.

Wegrzyn, Eva, und Anja Mallat. 2024. Exzellenzkriterien aus einer Geschlechtergleichstellungsperspektive weiterdenken: Potenziale der Neujustierung von Leistungsbewertung in der Wissenschaft. Beiträge zur Hochschulforschung 46:56–76.

Wegrzyn, Eva, und Anja Mallat. 2025. Eine gute Geschichte? Zur Rolle der Hochschulkommunikation bei der Sichtbarmachung von Wissenschaftlerinnen. GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 17:87–103.

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Veröffentlicht

07.10.2026

Ausgabe

Rubrik

Posterausstellung

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