Störungskommunikation der Deutschen Bahn
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Kultursoziologie, Sprachliche Kommunikation, Mobilität, BahnAbstract
Im Folgenden wird ein Ausschnitt aus dem professionellen „Transit-Life“ (Bissell 2018) in den Fokus gerückt, nämlich die Durchsage im Zug, genauer: im Fernverkehr. Diese Durchsagen sind maßgeblicher Bestandteil einer Reise. Im Fernverkehr sind sie keine rein mechanischen, wohl aber routinierte Formen der Kommunikation. Als solche beeinflussen sie das Reisegeschehen, dienen einerseits der Informationsweitergabe, andererseits auch der Verhaltenssteuerung. Mein Beitrag skizziert aus einer gleichermaßen kultur- wie kommunikationssoziologischen Perspektive die Bahndurchsage als kommunikative Form der synchronen, situativen Herstellung von Reisen als Praxis. Dabei interessiert mich insbesondere der kommunikative Umgang mit der Zeitlichkeit der Reise. Die leitende Frage des vorliegenden Beitrags also lautet: Wie wird in Bahndurchsagen Zeit bearbeitet? Ich werde im Folgenden nur auf einen Punkt eingehen – die Bearbeitung von fahrtverzögernden Störungen.
References
Allert, Tilman. 2008. Das Flugzeug als Kommunikationsraum. Handlungsformen, Vergemeinschaftungstypen und Berufsprofile an Bord. Sozialer Sinn 9(1):57–72.
Bissell, David. 2018. Transit Life: How Commuting is Transforming our Cities. Boston: MIT Press.
Bühler, Karl. 1999. Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Stuttgart: Lucius & Lucius.
DB Regio. 2001. Handbuch. Lautsprecheransagen in den Zügen der DB Regio AG. Frankfurt am Main: Selbstverlag.
Ehlich, Konrad und Jochen Rehbein. 1994. Institutionsanalyse. Prolegomena zur Untersuchung von Kommunikation in Institutionen. In: Texte und Diskurse. Methoden und Forschungsergebnisse der Funktionalen Pragmatik, Hrsg. Gisela Brünner und Gabriele Graefen, 287–327. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Garfinkel, Harold. 1967. Studies in Ethnomethodology. Englewood Cliffs: Prentice Hall.
Goffman, Erving. 1986. Interaktionsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikation. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Hausendorf, Heiko. 2007. Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. In: Gespräch als Prozess. Linguistische Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktionen, Hrsg. Ders., 11–32. Tübingen: Narr.
Hochschild, Arlie Russel. 1979. Emotion Work, Feeling Rules, and Social Structure. American Journal of Sociology 85(3):551–575.
Iedema, Rick und Ruth Wodak. 2008. Communication in Institutions / Kommunikation in Institutionen. In: Handbooks of Linguistics and Communication Science / Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Hrsg. Ulrich Ammon, Norbert Dittmar und Klaus J. Mattheier, 1602–1615. Berlin/New York: De Gruyter.
Janich, Nina. 2008. „Wir warten auf die Lok. Bitte haben Sie etwas Geduld.“ – Konversationsmaximen bei Bahndurchsagen, einer Form der Unternehmen-Kunden-Kommunikation. In: Kooperation und Effizienz in der Unternehmenskommunikation, Hrsg. Rogier Crijns und Janine Thalheim, 85–102. Wiesbaden: Springer VS.
Luhmann, Niklas. 1984. Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Perrow, Charles. 1984. Normal Accidents. Living With High Risk Technologies. Princeton, NJ: Princeton University Press.
Röhl, Tobias. 2022. Verteilte Zurechenbarkeit. Die Bearbeitung von Störungen im Öffentlichen Verkehr. Frankfurt am Main/ New York: Campus.
Selting, Margret et al. 2009. Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2). Gesprächsforschung. Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10:353–402.
Wharton, Amy. 2016. Interactive service work. In: Handbook of the Sociology of Work and Employment, Hrsg. Steven Edgell, Heidi Gottfried und Edward Granter, 329–347. London: Sage.
Zollna, Isabell. 2003. Stimmen der Distanz. Zur Prosodie professioneller monologischer Sprechstile. Tübingen: Stauffenburg.
Downloads
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
License
Copyright (c) 2026 Transitionen. Verhandlungen des 42. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Duisburg 2025

This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License.
Beiträge im Verhandlungsband des 42. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Duisburg werden unter der Creative Commons Lizenz "Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International (CC BY-NC 4.0)" veröffentlicht.
Dritte dürfen die Beiträge:
-
Teilen: in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
-
Bearbeiten: remixen, verändern und darauf aufbauen
unter folgenden Bedingungen:
-
Namensnennung: Dritte müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden
-
Nicht kommerziell: Dritte dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen