Vergnügen, Angst und Routine: Ultraschallscreenings als Einstieg in die Zugzwänge pränataler Diagnostik

Eva Sänger

Abstract


Ultraschallscreenings in der Schwangerschaft sind risikoorientiert. Gefahren und Auffälligkeiten sollen so frühzeitig wie möglich erkannt werden. Ergebnisse des DFG-Projekts „Enacting Pregnancy. Ultraschallbilder in der pränatalen Diagnostik“ zeigen, dass Routine-Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerenvorsorge trotz der iatrogenen Erzeugung von Angst und Sorge sehr beliebt bei Schwangeren sind. In meinem Beitrag führe ich aus, dass diese medizinischen Untersuchungen auch unterhaltende Aspekte aufweisen, und die Untersuchungssituationen ein „vergnügliches“ Subjektivierungsangebot enthalten. Abschließend diskutiere ich, inwieweit auch diese unterhaltenden Aspekte der Ultraschalluntersuchungen dazu beitragen, dass Schwangere in die Zugzwänge pränataler Diagnostik verstrickt werden.

 

 

 


Schlagworte


Schwangerschaft; Ultraschall; Medizin; Elternschaft; Vergnügen; Geburtshilfe

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