Juvenilität als Eskapismus

Oliver Dimbath

Abstract


Die Zeitdiagnose einer Verjugendlichung der Gesellschaft wird immer wieder mit der Ahnung zivilisatorischer Risiken verbunden. Konzepte wie Jugendlichkeit oder Juvenilität legen den Verdacht nahe, dass Jungsein und Jugend zu einem normativen Leitmotiv spätmoderner Gesellschaften geworden ist. Im vorliegenden Beitrag wird dieser Zusammenhang einer Prüfung unterzogen, indem das Konzept der Juvenilität mit Eskapismus als einem Motiv generationsspezifischer Jugendkritik konfrontiert wird. Dabei zeigt sich, dass die Verjugendlichungsdebatte selbst Teil intergenerationeller Kritik und damit ein kultursoziologischer mehr denn ein jugendsoziologischer Gegenstand ist.


Schlagworte


Eskapismus; Jugend; Juvenilität; Mindset; Jugendlichkeit; Verjungendlichung

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