Professionalität – nicht ohne Publikum! Positionierungsstrategien im Feld der Expertise

Alexander Hirschfeld

Abstract


Die hierarchische Beziehung zwischen Arzt und Patientin war immer schon eine verklärte Idealvorstellung. Im Zeitalter von ‚Doktor Google‘ wird die professionelle Autorität noch angreifbarer: Auf Knopfdruck kann man selbst in den Diskurs über Krankheitsbilder, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einsteigen. Um der damit verbundenen Veränderung im Verhältnis zwischen Expertinnen und Laien Rechnung zu tragen, wird vorgeschlagen, Professionalität nicht nur als Ergebnis staatlich garantierter Machtpositionen zu begreifen, sondern als Resultat gelungener Strategien der Positionierung. Professionen, so die Überlegung, müssen in der Lage sein, heterogene Denkweisen und Interessen zu berücksichtigen und diese in die eigene Sprache zu übersetzen. Nur die Etablierung einer solchen Schlüsselposition in einem Problemfeld erlaubt es Professionen im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen, ihre Macht und damit ihren sozialen Status zu sichern. Neben der professionellen Geschlossenheit bedarf es also gerade der gesellschaftlichen Öffnung gegenüber einem breiten Publikum. 

 


Schlagworte


Wissenschaftssoziologie; Macht; Professionen; Stress; Gesundheit; Medizin; Burnout; Latour; Foucault; Diskurs; Experten

Volltext:

PDF

Literaturhinweise


Berger, M., Falkai, P., Maier, W. 2012: Burn-out ist keine Krankheit. Deutsches Ärzteblatt, 109. Jg., Heft 14, 700–702.

Conrad, P. 1992: Medicalization and social control. Annual Review of Sociology, Jg. 18, 209–232.

Foucault, M. 2003: Die Entwicklung des Begriffs des >gefährlichen Menschen< in der Forensischen Psychiatrie des 19. Jahrhunderts. In M. Foucault (Hg.), Schriften in vier Bänden, Band 3: 1976–1979. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 568–94.

Foucault, M. 2004: Geschichte der Gouvernementalität: Vorlesung am Collège de France 1977–1978, 1978–1979. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Foucault, M. 2007: Die Anormalen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Jackson, S., Schwab, R., Schuler, R. 1986: Toward an understanding of the burnout phenomenon. Journal of Applied Psychology, 71 Jg., Heft 4, 630–40.

Kaschka, W., Korczak, D., Broich, K. 2011: Modediagnose Burn-Out, Deutsches Ärzteblatt, 108. Jg., Heft 46, 781–787.

Kratzer, N. 2012: Burn-out: Fehldiagnose oder Epidemie. Deutsches Ärzteblatt, 109. Jg., Heft 45, 1795–1797.

Latour, B. 1993: The Pasteurization of France. Massachusetts: Harvard University Press.

Latour, B. 1999: Give Me a laboratory and I will raise the world. In M. Biagioli (Hg.), The Science Studies Reader. New York: Routledge, 258–275.

Parsons, T. 1951: The Social System. Glencoe, Ill: Free Press.

Pfadenhauer, M. 2003: Professionalität: Eine wissenssoziologische Rekonstruktion institutionalisierter Kompetenzdarstellungskompetenz. Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Witte, D., Schmitz, A. 2016: Patent, Delegation und Konsekration. Elemente einer Geltungstheorie des Expertenwissens. In J. Raab, R. Keller (Hg.), Wissensforschung–Forschungswissen. Beiträge und Debatten zum 1. Sektionskongress der Wissenssoziologie. Weinheim: Beltz Juventa, 252–62.

WZ. 2012: Burn-out: Diskussion versachlichen, Deutsches Ärzteblatt, 108 Jg., Heft 13, 83.


Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Copyright (c) 2017 Geschlossene Gesellschaften - 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie