Risiken und Gefahren angewandter qualitativer Sozialforschung in industriellen Verbundprojekten

  • Olaf Kranz Universität Regensburg
Schlagworte: Suchparadox, Risiko und Gefahr, Verbundprojektforschung, Sozialtechnologie, Wahrheitsschaden

Abstract

Der Beitrag zeigt anhand eines empirischen Fallbeispiels, dass eine Praxis qualitativer Sozialforschung, der es um einen größeren Anwendungsbezug in Form der beiden Leistungsgesichtspunkte anwendungsbezogener Forschung und forschungsbezogener Anwendung geht, die operative Paradoxie der Gewinnung und Anwendung von Erkenntnissen am selben Fall lösen muss. Strategien der Entparadoxierung dieser Paradoxie werden exploriert und auf ihre pragmatischen Konsequenzen für die Wissenschaftspraxis unter dem Gesichtspunkt von Risiken und Gefahren befragt: In industriellen Verbundprojekten wird das Eigenrisiko qualitativer Sozialforschung gesteigert, und zwar mit Blick auf neue Erkenntnisse und transferierbare Instrumente; es entstehen neue Reputationsrisiken, und zwar mit Blick auf die Disziplin wie auch individuelle Karrieren; das Risiko wird gesteigert, den Erkenntnisgewinn durch die Entscheidungen anderer Organisationen gefährden zu lassen; aus dem Gebrauch von Sozialtechnologien entsteht die Gefahr von Wahrheitsschäden. Einige Gefahren einer Sozialtechnologie der Gewinnung anwendbarer Erkenntnis werden abschließend kurz benannt.

Autor/innen-Biografie

Olaf Kranz, Universität Regensburg

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für BWL II, insb. Führung und Organisation

akad. Rat a.Z.

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Veröffentlicht
2017-09-19
Rubrik
Ad-Hoc: Riskante soziologische Forschung