„Politische Demokratie“ oder „Nivellierte Mittelstandsgesellschaft“? Wolfgang Abendroth und Helmut Schelsky. Zwei politische Soziologien der Bundesrepublik

  • Oliver Römer Universität Göttingen
Schlagworte: Marxismus, Grundgesetz, bürgerlicher Rechtsstaat, Marburger-Schule, Schelsky-Schule

Abstract

FALSCHE VERANSTALTUNG

Die Behauptung, eine der zentralen historischen Leistungen der frühen westdeutschen Soziologie sei ihr intellektueller Beitrag zu einer "flexiblen Systemstabilisierung" (Joachim Fischer) der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft, steht auf wackeligen Füßen. Streng genommen lässt sich diese Lesart der bundesrepublikanischen Soziologiegeschichte in dieser Eindeutigkeit nur an der Soziologie Helmut Schelskys festmachen. Zwar wurden Schelskys Arbeiten bereits in der zeitgenössischen fachsoziologischen Diskussion in der Bundesrepublik kritisch rezipiert. Eine pointierte Gegenposition findet sich jedoch insbesondere in den bisher wenig beachteten politisch-soziologischen Arbeiten der Marburger Politikwissenschaftlers und Juristen Wolfgang Abendroth, die auf die Begriffe "antagonistische Gesellschaft" und "politische Demokratie" zugespitzt werden können.

Literaturhinweise

Abendroth, W. 1972: Antagonistische Gesellschaft und Politische Demokratie. Aufsätze zur politischen Soziologie. Neuwied: Luchterhand.
Abendroth, W. 1975: Das Grundgesetz. Pfullingen: Neske.
Adorno, T. W. (Hg.) 1969: Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft? Verhandlungen des 16. Soziologentages. Stuttgart: Enke.
Althusser, L. 1968: Für Marx. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Baumert, G. 1952: Jugend der Nachkriegszeit. Lebensverhältnisse und Reaktionsweisen. Darmstadt: Roether.
Baumert, G. 1954: Deutsche Familien nach dem Kriege. Darmstadt: Roether.
Becker, M. 2017: Kritische Soziologie und gesellschaftliche Demokratisierung in der frühen Bundesrepublik. Ein Kommentar zu Joachim Fischers Beitrag ‚Bundesrepublikanische Soziologie 1949 bis heute. Versuch einer neuen Skizze ihrer Geschichte‘. In M. Endreß et al. (Hg.), Zyklos 3. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS, 191–207.
Demirović, A. 1999: Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Dörk, U. 2017: Kommentar zu Joachim Fischers Versuch einer Skizze der Geschichte der Bundesrepublikanischen Soziologie von 1949 bis heute. In M. Endreß et al. (Hg.), Zyklos 3. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS, 209–220.
Fischer, J. 2015, Bundesrepublikanische Soziologie 1949 bis heute. Versuch einer neuen Skizze ihrer Geschichte. In M. Endreß et al. (Hg.), Zyklos 2. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS S. 73–99.
Frasch, T. 2016: Hessen will die Todesstrafe streichen. Pläne zur Verfassungsreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.4.2016, http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hessen-will-reform-seiner-landesverfassung-14167878-p2.html (letzter Abruf: 28.2.2017).
Gallus, A. (Hg.) 2013: Helmut Schelsky – Der politische Anti-Soziologe. Eine Neurezeption. Göttingen: Wallstein.
Habermas, J. 1981: Wolfgang Abendroth. Der Partisanenprofessor, In Philosophisch-politische Profile. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 249–252.
Hofmann, W. 1968: Universität, Ideologie, Gesellschaft. Beiträge zur Wissenschaftssoziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Hofmann W., Maus, H. (Hg.) 1967: Notstandordnung und Gesellschaft in der Bundesrepublik. Zehn Vorträge. Hamburg: Rowohlt.
Hübsch, R., Balzer F.-M. (Hg.) 1994: „Operation Mauerdurchlöcherung“. Robert Neumann und der deutsch-deutsche Dialog. Bonn: Pahl-Rugenstein.
König, R. 1987: Soziologie in Deutschland. Begründer, Verfechter, Verächter. München: Hanser.
Mannheim, K. 1952: Ideologie und Utopie. Frankfurt am Main: Schulte-Blumke.
Marx, K. (1976): Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. In K. Marx, F. Engels, Werke Bd. 1, Berlin: Dietz, 378–391.
Peter, L. 2014: Marx an die Uni. Die „Marburger Schule“. Geschichte, Probleme, Akteure. Köln: PapyRossa.
Peter, L. 2015: Warum und wie betreibt man Soziologiegeschichte. In C. Dayé, S. Moebius (Hg.), Soziologiegeschichte. Wege und Ziele. Berlin: Suhrkamp 2015, 112–146.
Rehberg, K.-S. 2013: Vom soziologischen Neugründungs-Pragmatismus zur „Anti-Soziologie“. Helmut Schelskys Position in der Nachkriegsgeschichte des Faches. In A. Gallus (Hg.), Helmut Schelsky – Der politische Anti-Soziologe. Eine Neurezeption. Göttingen: Wallstein, 17–36.
Römer, O. 2014: Von Frankfurt aus zwischen den Schulen. Heinz Maus und die frühe bundesrepublikanische Soziologie. In M. Endreß et al. (Hrsg.), Zyklos 1. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS, 127–167.
Römer, O. 2015: L. Peter: Marx an die Uni, Soziopolis, 6.10.2015, http://www.soziopolis.de/lesen/buecher/artikel/l-peter-marx-an-die-uni/ (letzter Abruf: 28.2.2017).
Römer, O. 2015a: Die Edition ‚Soziologische Texte‘. Ein Beitrag zu einer Geschichte der Soziologie unter verlegerischen Gesichtspunkten. In M. Endreß et al. (Hg.): Zyklos 2. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS, 223–264.
Römer, O. 2016: „Kritik der soziologischen Denkweise“. Zur deutschsprachigen Übersetzung der Sociological Imagination von 1963. In C. W. Mills, Soziologische Phantasie. Wiesbaden: Springer VS, 333–347.
Römer, O. 2017: Popitz lesen. Marx in der Philosophischen Anthropologie. In M. Endreß et al. (Hg.), Zyklos 2. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. Wiesbaden: Springer VS, 151–188.
Sahner, H. 1982: Theorie und Forschung. Zur paradigmatischen Struktur der westdeutschen Soziologie und zu ihrem Einfluß auf die Forschung. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Schäfer, G. 2006: Das Marburger Dreigestirn: Wolfgang Abendroth – Heinz Maus – Werner Hofmann. Zur Vorgeschichte kritischer Gesellschaftswissenschaft in Marburg. In S. Moebius, G. Schäfer (Hg.), Soziologie als Gesellschaftskritik. Wider den Verlust einer aktuellen Tradition. Hamburg: VSA, 44–71.
Schäfer, G. 2013: Helmut Schelsky und die Soziologie der 1950er Jahre – eine Ortsbestimmung. In A. Gallus (Hg.), Helmut Schelsky – Der politische Anti-Soziologe. Eine Neurezeption. Göttingen: Wallstein, 184–205.
Schäfer, G. 2015: Soziologie ohne Marx: Helmut Schelsky als ‚Starsoziologe‘ und Intellektueller im Hamburg der 1950er Jahre (=Supplement der Zeitschrift Sozialismus). Hamburg: VSA.
Schelsky, H. 1957: Die skeptische Generation. Eine Soziologie der Jugend. Düsseldorf 1957.
Schelsky, H. 1959: Ortsbestimmung der deutschen Soziologie. Düsseldorf: Diederichs.
Schelsky, H. 1965: Auf der Suche nach Wirklichkeit. Gesammelte Aufsätze. Düsseldorf: Diederichs.
Schelsky, H. 1973: Systemüberwindung, Demokratisierung, Gewaltenteilung. Grundsatzkonflikte der Bundesrepublik. München: C.H. Beck.
Schelsky, H. 1976: Der selbstständige und der betreute Mensch. Politische Schriften und Kommentare. Stuttgart: Seewald.
Schelsky, H. 1977: Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen. München: dtv.
Schelsky, H. 1979: Die Hoffnung Blochs. Kritik der marxistischen Existenzphilosophie eines Jugendbewegten. Stuttgart: Klett Cotta.
Schelsky, H. 1979a: Rückblicke eines „Anti-Soziologen“. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Schelsky, H. 1980: Die Soziologen und das Recht. Abhandlungen und Vorträge zur Soziologie von Recht, Institution und Planung. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Urban, H.-J. et al. (Hg.) 2006: „Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie“. Zur Aktualität Wolfgang Abendroths. Hamburg: VSA.
Wöhrle, P. 2015: Zur Aktualität Helmut Schelskys. Wiebaden: Springer VS.
Veröffentlicht
2017-09-22
Rubrik
Ad-Hoc: Auf dem Weg in welche offene Gesellschaft?