Soloselbstständige Erwerbsarbeit in der Plattformökonomie.

Am Beispiel eines selbstverwalteten Fahrradkurierunternehmen.

  • Jasmin Schreyer Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Schlagworte: Plattformökonomie, algorithmisches Management, Sharing Economy, kollektives Management, Selbstverwaltung

Abstract

Das unabhängige Kurierkollektiv, das 2017 in Berlin gegründet wurde, ist zu 100 Prozent selbstverwaltet, autonom und emissionsfrei. Es agiert als dezentrales Netzwerk und will als "Agentur für nachhaltige urbane Logistik" sowohl einen individuellen Bewusstseinswandel als auch einen gesellschaftlichen Wandel im Hinblick auf eine nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen initiieren.

Die explorative qualitative Fallstudie befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Plattformökonomie, wie den Arbeitsbedingungen (Stichwort: Atomisierung und Ausbeutung der Arbeitenden), die durch das Kollektiv mittels Selbstbestimmung und kollektive Entscheidungsfindung überwunden werden sollen. Aber auch in Bezug auf die technischen Koordinationsmechanismen setzt sich das selbstverwaltete Unternehmen von anderen Plattformunternehmen ab. Die von Crow genutzte technische Infrastruktur lässt sich nicht auf einen alles koordinierenden Algorithmus reduzieren, sondern wird aus mehreren Quellen gespeist, was die Fehlerquote erhöht, gleichzeitig aber auch immer alternative Strategien bereitstellt, wenn es ein technisches Problem mit einer der verwendeten Anwendungen gibt.

Literaturhinweise

Belk, Russell. 2014. You are what you can access: Sharing and collaborative consumption online. Journal of Business Research 67:1595–1600.

Berger, Johannes, Hrsg. 1986. Selbstverwaltete Betriebe in der Marktwirtschaft. Bielefeld: AJZ.

Bierhoff, Oliver, und Hanns Wienold. 2010. Suchbewegungen. Kooperative Unternehmungen zwischen kapitalistischer Prekarität und solidarischer Ökonomie. In Prekäres Unternehmertum: Unsicherheiten von selbstständiger Erwerbstätigkeit und Unternehmensgründung, Hrsg. Andrea Bührmann und Hans Pongratz, 219–244. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Bolsinger, Harald J. 2006. Die Genossenschaft als Kooperationsmodell für symbiotische KMU-Netzwerke: eine Vision zukunftsfähiger Kooperativen für den Mittelstand. Nürnberg: Forschungsinst. für Genossenschaftswesen an der Univ.

Botsman, Rachel, und Roo Rogers. 2011. What’s mine is yours: how collaborative consumption is changing the way we live. Rev. and updated ed. London: Collins.

Coop Cycle. 2020. About Coop Cycle. https://coopcycle.org/en/ (Zugegriffen: 25. Sep. 2020).

Crow. 2020a. Home. Crow Cycle Courier Collective. https://crowberlin.de/ (Zugegriffen: 24. Sep. 2020).

Crow. 2020b. Über uns. Crow Cycle Courier Collective. https://crowberlin.de/uber-uns/ (Zugegriffen: 24. Sep. 2020).

Fiedler, Lena. 2019. Fahrradkuriere: Im Kollektiv gegen die Gig-Economy. Die Zeit, September 27 https://www.zeit.de/arbeit/2019-09/fahrradkuriere-crow-cycle-courier-collective-nachhaltigkeit/komplettansicht (Zugegriffen: 24. Sep. 2020).

Frank, Hermann, und Manfred Lueger. 1993. Transformation kooperativen Handelns. Von der Gründung eines selbstverwalteten Betriebes zum erfolgreichen kooperativ geführten Unternehmen. Zeitschrift für Soziologie 22:49–64.

Gerling, Wilfried. 2018. Eröffnet die kollaborative Ökonomie den Genossenschaftsbanken neue Chancen? Wenn ja: Wie nutzen sie diese? enorm. Weconomy 1:35.

Goods, Caleb, Alex Veen, und Tom Barratt. 2019. “Is your gig any good?” Analysing job quality in the Australian platform-based food-delivery sector. Journal of Industrial Relations 61:502–527.

Jäger, Wieland. 1991. Neue Unternehmen und alternative Betriebe: kulturelle Aspekte betrieblichen Handelns. Wiesbaden: Gabler.

Kirchner, Stefan, und Wenzel Matiaske. 2020. Plattformökonomie und Arbeitsbeziehungen ‒ Digitalisierung zwischen imaginierter Zukunft und empirischer Gegenwart. Industrielle Beziehungen. Zeitschrift für Arbeit, Organisation und Management 27:105–119.

Mau, Steffen. 2017. Das metrische Wir: über die Quantifizierung des Sozialen. Erste Auflage, Originalausgabe. Berlin: Suhrkamp.

Meißner, Stefan. 2016. Selbstoptimierung durch Quantified Self? Selbstvermessung als Möglichkeit von Selbststeigerung, Selbsteffektivierung und Selbstbegrenzung. In Lifelogging, Hrsg. Stefan Selke, 217–236. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Pongratz, Hans, und Stefanie Simon. 2010. Prekaritätsrisiken unternehmerischen Handelns. In Prekäres Unternehmertum: Unsicherheiten von selbstständiger Erwerbstätigkeit und Unternehmensgründung, Hrsg. Andrea Bührmann und Hans Pong, 25–60. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Rifkin, Jeremy. 2014. Die Null Grenzkosten Gesellschaft: das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus. Frankfurt New York: Campus Verlag.

Scholz, Trebor. 2014. Platform Cooperativism vs. the Sharing Economy. Medium. https://medium.com/@trebors (Zugegriffen: 12. Feb. 2020).

Schreyer, Jasmin. 2019. Das Phänomen Sharing Economy am Beispiel des Foodsektors. Hans-Böckler Stiftung.

Schreyer, Jasmin. 2020. Sharing ≠ Sharing Economy. Ausprägungen der digitalen Sharing Economy im Lebensmittelsektor. SOI Discussion Paper 2020-03. Stuttgart.

Strube, Sebastian. 2016. «Unused value ist wasted value» - Von der Sharing Economy zur Gig Economy.

Sundararajan, Arun. 2016. The sharing economy: the end of employment and the rise of crowd-based capitalism. Cambridge, Massachusetts: The MIT Press.

Voigt-Weber, Lore. 1993. Inklusive Organisationen: Genese, Struktur, Chancen selbstverwalteter Betriebe. Wiesbaden: DUV.

Wewer, Göttrik. 2016. Privates Teilen als Geschäftsmodell? Politische, wirtschaftliche und soziale Probleme der Sharing Economy. Leviathan 44:24.

Zölch, Martina, und Michael Peters. 1988. Arbeit in Alternativbetrieben: handlungstheoretische Konzepte und Untersuchungsergebnisse aus fünf Betrieben in Berlin (West). Berlin: TU, Univ.-Bibliothek, Abt. Publ.

Veröffentlicht
2021-08-26
Rubrik
Ad-hoc: Selbständiger Erwerb im digitalen Kapitalismus und seine Einbettung in Markt, Haushalt und Kultur