Angst um die Vormachtstellung

Zum Begriff und zur Geschichte des deutschen Antifeminismus

Autor/innen

  • Rebekka Blum Universität Freiburg

Schlagworte:

Antifeminismus, Kontinuitäten, Rechtsterrorismus, (extreme) Rechte, christliche Rechte, Feminismus, Maskulinismus, Incels

Abstract

Die Erforschung des Phänomens Antifeminismus als eigenständige Ideologie zeigt, dass sich teils deutliche Kontinuitäten im Antifeminismus des Kaiserreichs und aktuellen Entwicklungen erkennen lassen. So treten antifeministische Wellen dann verstärkt auf, wenn bestehende gesellschaftliche Machtstrukturen infrage gestellt werden. Darüber hinaus ist Antifeminismus stets eng mit Antisemitismus, Rassismus, LSBTQIA*-Feindlichkeit und weiteren Ideologien der Ungleichheit verflochten. Das seit jeher von AntifeministInnen geteilte Feindbild Feminismus und das Ideal der heterosexuellen weißen Kleinfamilie ermöglicht es verschiedenen AkteurInnen, sich im gemeinsamen Feindbild zu verbinden. Zentral geht es darum, Frauen auf ihre potentielle Mutterschaft und das Private festzuschreiben. Auch das Narrativ eines vermeintlichen „großen Austauschs“, das von zahlreichen rechten und antifeministischen AkteurInnen geteilt wird, hat seine Wurzeln im Kaiserreich und war bei mehreren rechten und rassistischen Anschlägen der letzten Jahre ein zentrales Motiv. Daher ist es notwendig, Antifeminismus als eigenständiges und gefährliches Phänomen, das verschiedene AkteurInnen im gemeinsamen Feindbild vereint und breit gesellschaftlich anschlussfähig ist, ernst zu nehmen und als zentrales Forschungsthema zu setzen.

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Veröffentlicht

2021-07-01

Ausgabe

Rubrik

Ad-hoc: Antifeminismus – eine alte Ideologie und ihre Rolle in modernen Kämpfen um Gleichheit