Editorial

  • Georg Vobruba

Abstract

Eine neue Sau,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

wird durchs Dorf getrieben. Ihr Name ist: Konzeptzursystematischenverbesserungderhochschullehre.

Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, wenn die eine oder andere Lehrveranstaltung spannender wäre. Was mich skeptisch macht, ist der Zeitpunkt, zu dem diese Idee auf die öffentliche Tagesordnung gebracht wird Wie ist die Lage?

Mit der Umstellung auf BA/MA waren zahlreiche Versprechen verbunden. Eine zentrale Erwartung war, dass die Teilnehmerzahlen in den Veranstaltungen kleiner und die Lehr- und Lernsituation dadurch besser würde. Bei gleich bleibenden Studierendenzahlen und gleich bleibenden Lehrkapazitäten ist das natürlich unmöglich. Das war allen, welche die Rechenoperation Dividieren beherrschen, von vornherein klar. Innerhalb der Universitäten gab man sich diesbezüglich – soweit ich sehen kann – kaum Illusionen hin. Aber in der Hochschulpolitik hielt sich die Erwartung erstaunlich lange. Jetzt lichtet sich der Nebel, und auch dort wird bemerkt, dass bei gleich bleibenden Studierendenzahlen und Lehrkapazitäten einfach keine kleineren Seminare herauskommen können – egal, ob man das Ganze »Grundstudium« oder »BA« nennt.

Und genau in dieser Konstellation scheint sich ein sehr typisches Politikmuster abzuzeichnen: Man reagiert auf quantitative Probleme mit qualitativen Maßnahmen. Aus der Perspektive politischer Akteure hat dies erst mal zwei Vorteile. Erstens, man tut überhaupt etwas. Zweitens, es kostet nicht viel (ganz im Gegensatz zur längst überfälligen Aufstockung des Lehrpersonals). Aus der Perspektive der Universitäten bleibt freilich der entscheidende Nachteil: Es kann nicht funktionieren; die beste Hochschuldidaktik macht aus einem Seminar mit 120 Leuten keine Veranstaltung mit Diskussionscharakter. Hat man aber erst einmal das Mengenproblem erfolgreich verdrängt und mit Qualifikationsmaßnahmen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Lehrenden gelenkt, so hat man gleich die Schuldigen dafür, dass die Bemühungen um mehr Qualität nur schief gehen konnten. Die Lehrenden.

Wie gesagt, die Verbesserung hochschuldidaktischer Fähigkeiten ist keine schlechte Idee. Aber der Zeitpunkt, zu dem sie lanciert wird, macht sie suspekt.

 

And now for something completely different.

 

Wie müsste eine Universitätsverwaltung organisiert sein, damit sich ihre Mitglieder über Erfolge des akademischen Teils der Universitäten freuen könnten? Die Frage unterstellt, dass dies zur Zeit nicht so ist. Ja, das ist tatsächlich so, und ich möchte es noch präzisieren: Wenn sich Mitglieder einer Universitätsverwaltung über Erfolge ihrer Kolleginnen und Kollegen in Forschung und Lehre freuen und sie nach Kräften unterstützen, so tun sie das, einfach weil sie nett sind. »Nett« bedeutet hier: Bereit sein, jenseits der institutionellen Anreizstrukturen, welche die Uni ihnen bietet, zu agieren. Denn: Welche Konsequenzen haben akademische Erfolge für die Universitätsverwaltung?

Wissenschaftliche Publikationserfolge? Sind verwaltungstechnisch weitestgehend unproblematisch. Beliebte Lehrveranstaltungen machen Mühe, wenn damit Bitten um große Veranstaltungsräume verbunden sind – woher soll die zuständige Sachbearbeiterin die nehmen? Teilnahme an internationalen Konferenzen? Zusatzarbeit durch nicht den Anforderungen des Rechnungshofs entsprechend ausgefüllte Reisekostenabrechungen. Organisation von Konferenzen? Führen zu unüblichen Öffnungszeiten einzelner Gebäude. Neue Drittmittel?! Eine personalrechtliche, raummäßige und buchhaltungstechnische Zumutung für Universitätsverwaltungen, die (in der Regel) ohnehin schon an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten.

Was auch immer akademischer Erfolg genau sein mag – Universitäten können keine anderen als akademische Erfolge haben. Die meisten akademischen Erfolge sind nur unter Mitwirkung der Universitätsverwaltung zu erzielen. Aber die Verwaltungen sind an akademischen Erfolgen weder materiell noch symbolisch beteiligt. Ein Problem, dessen institutionelle Lösung so schwierig ist, dass man wohl bis auf weiteres auf nette Menschen in den Universitätsverwaltungen angewiesen sein wird. Gut, dass es die gibt.

Ihr

Georg Vobruba

Veröffentlicht
2015-09-14

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