Editorial
Abstract
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Soziologinnen und Soziologen werden oftmals nach aktuellen und künftigen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen gefragt. Die Kongressthemen des Jahres 2025 und des Jahres 2026 zeigen umfassend und facettenreich an, was damit gemeint sein könnte: »Transitionen« werden auf dem diesjährigen, 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg, verhandelt; um »Zukünfte der Gesellschaft« wird es im darauffolgenden Jahr auf dem 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gehen (ausnahmsweise finden die Veranstaltungen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren statt). Auf dem diesjährigen Kongress in Duisburg sind Sie oder waren Sie vielleicht gerade, das Themenpapier zum nächsten Kongress in Mainz finden Sie in dieser Ausgabe.
Bei alldem sind ›quer‹ dazu liegende Problematiken zu fachgesellschaftlichen Anliegen geworden, die sich mit teils neuer, teils anhaltender Dringlichkeit stellen. Besondere Aufmerksamkeit zieht der Kampf um Wissenschaftsfreiheit auf sich, die weltweit akuten Gefährdungen ausgesetzt ist und die jetzt und für kommende Zeiten – auch öffentlich – verteidigt werden muss. Die prekäre Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses ist und bleibt ein Thema, das sich aufdrängt. Fragen der Identität des Fachs, der Zukunft der Hochschulen, der Forschung, der Lehre und des Lernens sind stets relevant – nicht wenige treibt die Sorge um, dass wissenschaftliche Unabhängigkeit, Kreativität und Phantasie einem Übermaß an Anpassung und Stromlinienförmigkeit weichen, während zugleich die Zwänge des Wettbewerbs greifen. Nicht zuletzt gilt es, Multiparadigmatik und Multiperspektivität (nicht nur) der Soziologie als wissenschaftliche Stärke und Gewinn zu erhalten. Auch die Wertschätzung von Methodenvielfalt, die weit über ›Quanti versus Quali‹, divergierende Verständnisse von Evidenz, das Ringen um Gütekriterien oder Folgen der Digitalisierung hinausgeht, und die fachgesellschaftliche Repräsentanz unterschiedlicher Methoden gehören selbstverständlich dazu.
Die Lagen und Fragen sind komplex und entziehen sich allzu voreiligen, allzu vereinfachenden, allzu vereinnahmenden Antworten und Positionierungen. Die Fachgesellschaften der Soziologie hat dies vor kurzem in besonderer Weise eingeholt. Der Beschluss der International Sociologial Association (ISA), die Mitgliedschaft der Israelischen Soziologischen Gesellschaft (ISS) auszusetzen, hat den DGS-Vorstand dazu bewogen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, die sich ausdrücklich gegen diese Entscheidung der ISA und den (zeitweiligen) Ausschluss der israelischen Fachgesellschaft richtet und für den Erhalt eines offenen Diskurses plädiert. Die Stellungnahme hat aus den Reihen der DGS-Mitglieder viel Zustimmung erhalten. Es gab auch Einwände, die entweder ein Zuviel oder ein Zuwenig an Unterstützung kritisierten. Von internationalen Kolleginnen und Kollegen, auch aus Israel, seitens anderer nationaler Fachgesellschaften und der ISA wurde die Stellungnahme aufmerksam wahrgenommen. Sie finden den Text auf der Webseite der DGS und, in deutschsprachiger Version, auch in diesem Heft unter der Rubrik DGS-Nachrichten aufgeführt.
Die Hefte der Soziologie spiegeln das Engagement und Interesse der Mitglieder wider. Sie stehen für die Breite des Fachs, die wissenschaftliche Seriosität, Reflexivität und Lebendigkeit des Austausches. Wir bedanken uns vielmals für die Vorschläge und Beiträge, die uns erreichen. Schreiben Sie uns, wir freuen uns!
Mit herzlichen Grüßen,
Angelika Poferl