Die ‚Revolution von 1989‘: „Konterrevolution“, bloß „nachholende Revolution“ oder „originale Revolution in der Weltgeschichte“?

  • Joachim Fischer TU Dresden
Schlagworte: Revolution

Abstract

Der Beitrag setzt sich kritisch mit der bundesrepublikanischen soziologischen Darstellung der Revolution von 1989 auseinander – gegen deren Kategorisierung als "Transformation", "Zusammenbruch" oder "Wende" den originär revolutionären Charakter hervorhebend. Es handelt sich nicht um eine nachholende Revolution (Habermas), sondern um die weltgeschichtlich erstmalige Revolution von einer sozialistischen Sicherheitsgesellschaft in eine bürgerliche Risikogesellschaft.

Literaturhinweise

Arendt, Hannah. 1994. Über die Revolution (On Revolution, New York 1963), 4. Aufl. München: Piper.

Applebaum, Anne. 2013. Der Eiserne Vorhang. Die Unterdrückung Osteuropas 1944–1956. München: Siedler Verlag.

Baule, Bernward. 1996. Freiheit und Revolution. Die Bedeutung von 1989 für die Berliner Republik. In Hannah Arendt und die Berliner Republik. Fragen an das vereinigte Deutschland, 82–106, Hrsg. Rita Süssmuth. Berlin: Aufbau Verlag.

Dahrendorf, Ralf. 1990. Betrachtungen über die Revolution in Europa. Stuttgart: DVA.

Eppelmann, Rainer, und Robert Grünbaum. 2004. Sind wir die Fans von Egon Krenz? Die Revolution war keine ‚Wende‘. Deutschland Archiv 5:864–869.

Findeis, Hagen. 2019. Warum befragen wir unsere Eltern nicht? Es ist leicht, über den Westen zu klagen – aber was sagen jene, die die SED-Diktatur mitgetragen haben? FAZ, 13. August, Nr. 186, 12.

Fischer, Joachim. 2012. Wie sich das Bürgertum in Form hält. Hrsg. Anne Hamilton. Springe: Zu Klampen.

Fischer, Joachim. 2010. Bürgerliche Gesellschaft. Zur analytischen Kraft der Gesellschaftstheorie. In Bürgerlichkeit ohne Bürgertum: In welchem Land leben wir?, Hrsg. Heinz Bude, Joachim Fischer und Bernd Kauffmann, 203–228. München: Fink.

Fischer, Joachim. 2014. Bürgertum und Bürgerlichkeit. Max Webers Soziologie des Bürgertums im Lichte zeitgenössischer Entwicklungen. In Max Weber Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Hrsg. Hans Peter Müller und Steffen Sigmund, 389–392. Stuttgart/Weimar: Metzler.

Fischer, Joachim. 2017. Ist 1989 eine Revolution? Und wenn ja, was für eine? Und war sie weltgeschichtlich bedeutsam? In Un/Ordnungen denken. Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften. Festschrift Reinhard Blänkner, 250–272, Hrsg. Anne Gräfe und Johannes Menzel. Berlin: Quintus-Verlag.

Fischer, Joachim. 2019a. „1989 war eine originale Revolution in der Weltgeschichte. Interview mit dem Soziologen Professor Joachim Fischer“ durch Thomas Baumann-Hartwig. Dresdner Neueste Nachrichten, 18. Oktober.

Fischer, Joachim. 2019b. War 1989 überhaupt eine Gesellschaftsrevolution? Ja – eine originale Revolution der Weltgeschichte! Dresdner Hefte, Nr. 140: „Unser `89. Rückblicke nach 30 Jahren“, 30–40.

Furet, Francois. 1996. Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert. München: Piper.

Habermas, Jürgen. 1990. Nachholende Revolution. Kleine Politische Schriften VII. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Henke, Klaus Dieter (Hrsg.). 2009. Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte. München: dtv.

Jesse, Ekkehard (Hrsg.). 2006. Friedliche Revolution und deutsche Einheit. Sächsische Bürgerrechtler ziehen Bilanz. Berlin: Christoph Links Verlag.

Joas, Hans, und Martin Kohli (Hrsg.). 1993. Der Zusammenbruch der DDR. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Kant, Immanuel. 2005. Der Streit der Fakultäten. Hrsg. Horst D. Brandt und Piero Giordanetti. Hamburg: Meiner.

Kowalczuk, Ilko-Sascha. 2009a. Die Revolution von 1989. Vorgänge 185(1):4–13.

Kowalczuk, Ilko-Sascha. 2009b. Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. München: C.H. Beck.

Leistner, Alexander. 2016. Soziale Bewegungen. Entstehung und Stabilisierung am Beispiel der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Konstanz: uvk.

Neubert, Ehrhard. 2002. Friedliche Revolution. In Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur, 151–154. München: Propyläen Verlag.

Neubert, Ehrhard. 2008. Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90. München/Zürich: Piper.

Opp, Karl-Dieter (Hrsg.). 1993. Zu den Ursachen einer spontanen Revolution. In Der Zusammenbruch der DDR, Hrsg. Hans Joas und Martin Kohli, 194–222. Frankfurt am Main: Suhrkamp,

Offe, Klaus. 1994. Der Tunnel am Ende des Lichts. Erkundungen der politischen Transformation im Neuen Osten. Frankfurt am Main: Campus.

Plötzl, Norbert F. 2019. Der Treuhand-Komplex. Legenden. Fakten. Emotionen. Hamburg: kursbuch edition.

Pollack, Detlef. 2020. Das unzufriedene Volk. Protest und Ressentiment in Ostdeutschland von der friedlichen Revolution bis heute. Bielefeld: transcript.

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.). 2019. „Wende“? „Friedliche Revolution“? „Mauerfall“? 19. Oktober.

Schroeder, Klaus. 2002. Zusammenbruch der DDR. In Lexikon der deutschen Geschichte 1945–1990, Hrsg. Michael Behnen. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.

Schuller, Wolfgang. 2009. Die deutsche Revolution 1989. Berlin: Rowohlt Berlin Verlag.

Schumann, Frank. 2016. „Post aus Chile – die Korrespondenz mit Margot Honecker“. Berlin: Verlag Edition Ost.

Streeck, Wolfgang. 2013. Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus. Berlin: Suhrkamp.

Veröffentlicht
2021-09-10
Rubrik
Sektion Kultursoziologie: Das umstrittene Erbe von 1989 – Gesellschaftliche Aneignungen, Umdeutungen, Erinnerungspolitiken